Tag 11: Kirchenbesuch, Twa-Schule und Rückfahrt nach Kigali 

Nach dem Frühstück besuchten wir in der nahegelegenen katholischen Kirche die Sonntagsmesse. Dort mussten wir schnell feststellen, dass es zwar einige Gemeinsamkeiten zu unserer Messe in Deutschland gibt, allerdings auch viele Unterschiede. Der allgemeine Ablauf mit Predigt, Eucharistiefeier usw. ähnelte unserem Gottesdienst, die Atmosphäre und lebendige Stimmung und Ausgestaltung des Gottesdienstes war erfrischend anders. Der Gospelchor sorgte mit seinem Gesang für eine durchgängig malerische Unterhaltung, welche die voll gefüllte Kirche – eine riesige Kirche mit einer Empore, die ca. 2000 Besucher fasste – mitriss. Für uns ungewohnt war zudem die Tatsache, dass Gesang, Tanz und Klatschen stets eine Einheit bildeten. Ein mindestens vier Minuten dauerndes Gemeindelied im Fünfvierteltakt wurde konsequent von der ganzen Gemeinde mit einem passenden Klatschrhythmus unisono begleitet – da hätte sogar manch europäisches Orchester seine Probleme, dies ohne Fehler solange konsequent durchzuhalten. Wissenswert ist auch, dass dieser Gottesdienst nur einer von dreien an diesem Sonntag Vormittag war. Alle Kinder und Erwachsenen hatten ihre beste Kleidung an, man fühlte sich direkt Willkommen und nicht als Fremder. 

Im Anschluss besuchten wir eine nahegelegene Twa-Schule, aufgrund der Straßenverhältnisse legten wir die Strecke auch teilweise zu Fuß zurück. An der Schule angekommen, wurden wir von den Kindern, den Lehrern und zwei deutschen freiwilligen Dienstlerinnen herzlich mit Gesang und Tanz empfangen. Von der Freundlichkeit und Offenheit waren wir erneut sehr berührt. Die Twa sind eine Minderheit von ein Prozent, die heute noch als Jäger und Sammler im Dschungel leben. Wir erfuhren, dass die Schüler pro Tag einen zweistündigen Schulweg auf sich nehmen müssen (bergauf, bergab, bergauf!!!) und in der Schule in die normale ruandische Gesellschaft integriert werden sollen – es soll keine Minderheiten geben. Vorrangiges Ziel ist es, Aggressionen abzubauen, da Gewalt immer noch eine große Rolle im Alltag einnehme. So wurde uns berichtet, dass zwei Nächte zuvor der Vater eines Schülers grundlos mit einer Machete erschlagen wurde. Ein besonderer Leckerbissen war die szenische Aufführung des Räuber Hotzenplotzes in akzentfreiem Englisch. Nach einfühlenden und bewegenden Worten von Herrn Hoffmann wurden unsere Mitbringsel, bestehend aus Fußbällen und Trikots, von den begeisternden Schülern jubelnd in Empfang genommen. Nach herzlichen Dankesworten des Schulleiters würden wir gleich zu einem Fußballmatch herausgefordert. Gegen die technisch sehr geschickt, wahnsinnig schnell und artistisch spielenden Twa-Kindern hatten wir auf gegnerischen Geläuf keine Chance, zumal -wie einer unserer Jungs nach dem Spiel feststellte – wir „ja nur auf ein Tor“ gespielt hatten. Dafür aber vor der großartigen Kulisse der Vulkane, auf einem der wohl schönsten Pausenhöfe den es geben kann, genießen konnten. Nach einer emotionalen Verabschiedung, bei der uns der Schulleiter nachdrücklich gebeten hat, eine Partnerschule für ihn zu finden, damit sein Projekt weiterhin so erfolgreich Bestand haben kann. Nach einem kurzen Mittagessen in einem romantischen Hinterhof mitten in der Innenstadt von Musanze (no tourists) brachen wir nach Kigali auf, um uns auf den letzten Trip zum Akagera – Nationalpark vorzubereiten. Beim Aufstieg ins Gebierge boten uns mehrere Gelegenheiten uns von den fantastischen Panoramen zu verabschieden und nach kurzer Fahrt konnte man bereits zwischen zahlreichen Hügeln gelegen Kigali am Horizont erkennen. 


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